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FINALE

Die ursprüngliche Idee dieses Blogs war es, mir über die Trennung von meiner Lieblings-Arbeitskollegin hinwegzuhelfen, die gekündigt hat um in eine neue Stadt zu ziehen und Karriere zu machen, und die mir unendlich viel beigebracht hat über das Leben, die Menschen und das grosse Ganze. Ich habe sehr viel von ihr gelernt und wunderbare Momente mit ihr geteilt. Doch nun, zweieinhalb Jahre später, ist das Wesentliche gesagt und es ist an der Zeit, die Geschichte von Dominique und mir enden zu lassen. Ob dabei das Alternative Ende I, das Alternative Ende II, eine Mischung aus beiden, oder doch eine ganz andere Version den Tatsachen entspricht, soll der Imagination des Lesers überlassen bleiben. Die Wahrheit kennen von allen Menschen auf der Welt nur Dominique und ich, und das ist es, was uns künftig und bis in alle Zeit verbinden wird. Ich für meinen Teil kann über die bisherigen Jahre mit Dominique als Fazit nur das altbekannte Motto wählen: „Weine nicht weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es gewesen war.“ Wieder eine Erkenntnis, zu der ich ohne Dominique nie gekommen wäre. Ich danke ihr dafür!

17.12.14 18:47


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Alternatives Ende II

Es ist zumindest einigermassen erträglich, aber nicht wirklich schön. Denn Dominique und ich haben jetzt eigentlich gar keinen Kontakt mehr. So ist das wohl, wenn man erwachsen wird: jeder geht seinen eigenen Weg, jeder lebt sein eigenes Leben, und die gemeinsame Vergangenheit ist nur noch eine schöne Erinnerung, die mit jedem Tag mehr verblasst. Es ist wohl einfach der Lauf der Dinge, dass man sich irgendwann mal aus den Augen verliert und der Kontakt abbricht. Erst hat man sich nicht mehr so viel zu erzählen, weil jeder eigene Interessen und Erlebnisse hat und der Kreis gemeinsamer Bekannter und Gesprächsthemen zusehends kleiner wird. Dann meldet man sich nur noch zum Geburtstag und Weihnachten, die Telefonate werden kürzer, weichen bald nur noch schriftlichen Nachrichten, die wiederum ebenfalls kürzer und unpersönlicher werden, bis sie eines Tages ganz ausbleiben, was aber keinen überrascht – die beiden Beteiligten am allerwenigsten. Genauso ist es nun auch bei Dominique und mir, und dies war objektiv betrachtet wohl auch unausweichlich. Denn was uns verbunden hat war die Arbeit, und da ich nun auch unsere Firma verlassen habe und sich in dieser Branche die Kollegenschaft eigentlich ständig verändert, gab es kaum mehr etwas zu bereden. Man sprach nur noch miteinander, weil man das eben gewohnt war, aber die Inhalte wurden  bedeutungslos, nichtssagend, austauschbar, beliebig. In einem unser letzten Gespräche hat mir Dominique am Telefon mehrere Minuten nur aus dem Telefonbuch vorgelesen, ohne, dass ich es gemerkt hätte. Beide wollten zwar die vertraute Stimme des anderen hören, aber wirklich zu sagen hatte man sich nichts mehr. Schliesslich habe ich Dominique von diesem Blog hier erzählt, um ihr zu zeigen, wie wichtig sie für mich ist und wie oft ich an sie denke, aber es hat sie kalt gelassen und ich verstehe das vollkommen, weil in unser beider Leben nun andere Dinge von Bedeutung sind. Das Leben ohne Dominique ist für mich nun die einzige wirkliche Realität und ich kann und muss diesen Blog beenden.

17.12.14 18:45


Alternatives Ende I

Es ist wieder alles perfekt! Denn Dominique und ich arbeiten ab sofort wieder zusammen! Und zwar in einer ganz neuen Firma, in einer ganz neuen Stadt, aber in derselben Branche wie früher. Irgendwie dachten wir wohl beide, es sei an der Zeit für einen Neuanfang, und haben uns nach neuen Jobs umgesehen. Und wie es manchmal so ist, wurde auch tatsächlich ein Zweier-Team mit unseren Fähigkeiten und Interessen gesucht. Und wir waren die Richtigen dafür. Es ist dort zwar alles noch ein bisschen anders und ungewohnt, weil grösser und moderner als in unserer alten Firma, aber das Wesentliche stimmt: wir teilen uns ein Büro und die anfallenden Aufgaben, reden und lachen viel, verbringen die Pausen zusammen und haben sogar auf dem Nachhauseweg ein kleines Stück Weg gemeinsam zu gehen jeden Tag. Durch unsere Wiedervereinigung habe ich erst wirklich gemerkt, was mir alles genau gefehlt hat in der letzten Zeit. Aber das ist Schnee von gestern, denn nun ist alles wieder gut, wir sehen uns regelmässig und haben wieder richtig viel Spass zusammen. Und wir haben auch festgelegt, dass wenn einem die Arbeit hier eines Tages nicht mehr gefallen sollte, wir dann entweder beide zusammen gehen oder aber eben keiner. Auch habe ich Dominique von diesem Blog hier erzählt, und sie hat sich riesig gefreut zu lesen, wie wichtig sie für mich ist und wie oft ich an sie gedacht habe. Sie war tatsächlich fast ein wenig gerührt zu erfahren, wie sehr sie mir gefehlt hat in dieser Zeit. Nun ist ja aber alles wieder perfekt und ich kann voller Glück diesen Blog beenden.    

17.12.14 18:42


Der lustigste Film, den ich kenne

Ich besitze tatsächlich mehr traurige Lieder als lustige Filme. Wer hätte das gedacht. Es war mir nicht einmal selbst bewusst. In der ersten Woche ohne Dominique habe ich das aber herausgefunden und war darüber ziemlich erstaunt. Damals war ich in dieser Stimmung, wo man sich abends alleine auf sein Bett legt und traurige Lieder hört und an Dominique denkt und weint. Dabei habe ich festgestellt, dass mein Archiv an passenden Songs in der Tat ziemlich umfangreich ist. Nachdem dies also mehrere Tage so zuging, habe ich überlegt, dass ich auch mal was zur Aufheiterung tun sollte. Zu diesem Zeitpunkt ging ich ja noch davon aus, dass ich nach einer gewissen Zeit über Dominique hinwegkommen würde - was sich später jedoch rasch als Fehlannahme herausstellte. Am zweiten Wochenende nach ihrem Wegzug entschloss ich mich also, einen lustigen Film zu konsumieren, anstatt ergreifender Musik. Nach Durchsicht meines im Gegensatz zu emotionaler Musik vergleichsweise spärlichen Filmregals entschied ich mich für eine herrliche Hollywoodkomödie zum Thema Liebeskummer. Diese hatte ich zuvor schon ein paar Mal gesehen und musste jedes Mal lauthals loslachen. Gute Voraussetzungen also für einen Stimmungsaufheller. Für einen kurzen Moment zögerte ich jedoch. Mir fiel ein, dass ich ja vor einiger Zeit ein einziges Mal zusammen mit Dominique im Kino war. Überflüssig zu erwähnen, dass dies einer der besten Kinobesuche aller Zeiten war (auch wenn sie einen Gutschein für eine Freikarte hatte und ich den vollen Eintrittspreis bezahlen musste). Einer der Hauptdarsteller des Film, den wir beide damals sahen, spielte nun aber zufällig auch in jenem Film mit, den ich mir ansehen wollte. Es bestand also die Gefahr, dass er mich zu sehr an den schönen Nachmittag von einst erinnern würde. Andererseits würde es auf diese Art aber vielleicht auch gelingen, die Erinnerung an ein positives Erlebnis mit ihr wachzurufen anstatt ständig nur an ihren Weggang und den Abschied von ihr denken zu müssen. Wie auch immer, der Film hat mich tatsächlich gut unterhalten und für zwei Stunden abgelenkt und ich habe zum ersten Mal wieder gelacht. Mittlerweile gehört das Ansehen dieses lustigsten Films, den ich kenne, zum jährlichen Dominique-Tag dazu. Die traurigen Lieder hingegen gehören natürlich weiterhin zu jedem Tag ohne Dominique.    

26.11.14 19:20


Dominique, die Weddingplanerin

Einmal war ich zu einer Hochzeit eingeladen. Ein alter Kamerad traute sich. Und auch wenn ich kein Freund festlicher Anlässe und noch weniger Freund weiter Wochenendreisen bin, beschloss ich, der Veranstaltung der alten Zeiten wegen beizuwohnen. Irgendwie besitze ich wohl eine sehr ausgeprägte nostalgische Ader. Auf der Feier war ich an einem Tisch mit Arbeitskollegen der Braut untergebracht. Da leider keine der anwesenden Damen auch nur im entferntesten Ähnlichkeit mit Dominique hatte und auch sonst keine wirklich mein Interesse wecken konnte, musste ich mich den Abend über eben anderweitig beschäftigen, ohne dabei ständig über Dominique nachzudenken oder anderen von ihr zu erzählen. Ich sah mich um und begann, mich näher mit der prunkvoll ausgerichteten Feier zu beschäftigen. Hinter so einem grossen Event steckt bestimmt eine sehr durchdachte und detaillierte Planungsarbeit. Ähnlich, wie sie auch im Beruf von Dominique und mir wieder und wieder verlangt wurde und an den Tag gelegt werden musste. Da ich gerne im Voraus Bescheid weiss, was mich erwartet, wollte ich also schon mittags Informationen über den weiteren Tagesablauf einholen und informiert sein, was wann und wie geplant sei und wann ich beispielsweise etwa mit welchem Essen rechnen könnte und welche Gänge und Bestandteile dafür genau vorgesehen wären. Da ich ja nun abgesehen von meinem Bekannten niemanden kannte, erkundigte ich mich bei dessen Braut, da in meinem schlichten Weltbild nur eine Frau für die Vorbereitung und Bereitstellung von Nahrungsmitteln zuständig sein könnte. Sie teilte mir mit, dass sie das auch nicht so wirklich genau wisse, weil sie die Organisation an eine gute Freundin übertragen hätte, die für alle Belange die Vollmacht habe und die Ansprechpartnerin sei, da man dies bei der eigenen Hochzeit schwerlich selbst erledigen könnte. Die Dame wurde mir sodann vorgestellt und in einem netten Gespräch stand sie mir Rede und Antwort. Dabei wurde rasch klar, dass für das Gelingen einer solchen Feier eine gute und verantwortungsbewusste Organisation das A und O ist. Eigentlich schon an diesem Abend, spätestens jedoch auf der Rückfahrt am nächsten Tag, konkretisierte sich in meinem Kopf dann ein Bild, wie es später, wenn  ich selbst ins heiratsfähige Alter komme und einer jungen, charmanten, attraktiven, intelligenten rothaarigen Dame das Ja-Wort geben möchte, einmal ablaufen soll. Wer, ja wer, aus meinem Umfeld verfügt über das nötige Talent, mein absolutes Vertrauen, und käme dafür in Frage? Wie gut, dass Dominique so ganz nebenbei auch eine ausgebildete Eventmanagerin ist. Sie, nur sie allein, dürfte wohl dazu in der Lage sein, ein Fest so zu gestalten, dass es ohne mein Zutun trotzdem meine vollste Billigung findet und meinen Bedürfnissen entspricht. Am Montagmorgen berichtete ich also Dominique von meinem Hochzeitstrip und meinem Plan, dass sie eines Tages entscheidenden Anteil am Gelingen meiner Ehe haben sollte. Dominique überlegte kurz, und stimmte dann aber zu, irgendwann bei Bedarf meine Weddingplanerin zu geben. Das beruhigt mich sehr und ich weiss, dass sie absolut die Richtige für den Job ist, ich ihr nur das Budget geben muss, und dann wird es gewiss ein unvergesslicher Tag. Unvergesslich natürlich aber auch schon deshalb, weil Dominique dann an diesem Tag mit mir und für mich arbeiten wird. Meine Freude über diesen Umstand teilte ich natürlich bei nächster Gelegenheit auch Johanna mit. Diese sah meinen Plan jedoch eher skeptisch und machte mich darauf aufmerksam, dass es ja durchaus im Bereich des Möglichen liegen könnte, dass meine potentielle zukünftige Braut gar nicht möchte, dass Dominique auf der Hochzeit herumwuselt als meine engste Bezugsperson. Diese Sorge Johannas konnte ich aber gleich ganz schnell entkräften. Denn wenn eine Frau nicht die permanente Anwesenheit von Dominique auf unserer Hochzeit und bei den Vor- und Nachbereitungen dulden kann, dann wird sie wohl sicher nicht die Richtige für mich sein und keineswegs in den engere Wahl für ein gemeinsames Leben kommen, gleichwohl wie rot ihre Haare auch immer sein mögen.     

30.10.14 21:15


Bei Dr. Stephi auf der Couch

Man mag es nicht glauben, aber ich kenne doch noch andere Menschen neben Dominique. Teilweise sogar schon wesentlich länger als sie. Und auch die sind mir irgendwie wichtig und auch mit denen rede ich gerne. In letzter Zeit aber eben doch überwiegend über Dominique. Eine solche Person ist meine Freundin Stephanie, die Psychologie studiert. Natürlich weiss ich, dass es Leute in Heilberufen überhaupt nicht ausstehen können, wenn sie im privaten Umfeld mit Problemen belästigt werden. Dennoch sah ich in Stephanie die geeignete Person, um meinen Kummer bezüglich des Wegzugs von Dominique einmal von einer professionellen Expertin beurteilen zu lassen. Selbst wenn die Expertin noch ein Laie in Ausbildung ist, schien es mir eine gute Idee, ihr mein Problem einmal ausführlich anzuvertrauen. Ihre erste Reaktion kam für mich wenig überraschend: sie rollte mit ihren süssen blau-grünen Augen und schüttelte mit dem Kopf, wie wenn sie sagen wollte „Unfassbar, hier geht es ja wirklich nur um so eine belanglose Kleinigkeit wie den Wegzug einer Kollegin, die er ein paar Stunden am Tag gesehen hat, und deswegen der ganze Aufstand?!“. Das war ich gewohnt. So reagierten ja schliesslich die meisten, wenn ich ihnen die Geschichte von Dominique und mir erzählte. Klug wie sie ist, überspielte Stephanie diese offensichtliche und menschliche Reaktion jedoch schnell, da sie begriff, dass sich ihr hier gerade die einmalige Chance bot, ihr bis dato erworbenes Fachwissen einmal anzuwenden und auszutesten. Um sie zu schützen, sage ich aber gleich dazu, was sie mir auch vorneweg zu verstehen gab: alles was sie tun und sagen kann ist ihre persönliche und laienhafte Meinung (um die ich sie ja aber gebeten habe), und es gibt bessere, wirklich professionelle Stellen, an die man sich in einer solchen Situation auch wenden kann, um Hilfe zu erhalten. (Die entsprechenden Ansprechpartner in der jeweiligen Stadt findet man ganz leicht im Internet, Anm. d. Red.). Zunächst erklärte sie mir also, wie Trauer funktioniert, dass dies etwas ganz Natürliches ist, und jeder Mensch anders mit so etwas umgeht. Manche ziehen sich zurück, andere schütten jedem ihr Herz aus, wieder andere schreiben einen Blog, ein Gedicht, einen Song oder ein Buch, malen ein Bild, backen einen Kuchen, oder tun alles zusammen. Schon da merkte ich zum ersten Mal, dass mein Verhalten – bei aller Übertreibung – durchaus ok und nachvollziehbar ist und ich nicht der Einzige bin, dem es so geht. Auch wurde mir klar, dass ich in diesem Moment im Begriff war, ganz viel über mich selbst zu erfahren, was sich als sehr spannend herausstellte. Denn Dr. Stephanie interpretierte meine Aussagen weiter und ich war mehr als verblüfft, auf was sie mich alles aufmerksam machte, das ich so noch nie gesehen hatte. Etwa fiel ihr auf, mit welchen Worten und welchen Formulierungen ich über Dominique sprach und dass dies alles sehr besitzergreifend und einengend klingt. Tatsächlich war da etwas dran, weil ich den Weggang Dominiques bis zu diesem Zeitpunkt stets als etwas Böses und mir vom Schicksal aufgezwängtes Leid interpretierte. Stephanie aber wies mich zu Recht darauf hin, dass es hier ja nur bedingt um mich geht und Dominique ja ein Mensch mit freiem Willen ist, der von alleine eine Wahl getroffen hat, um sich zum eigenen Positiven weiterentwickeln zu können. Niemand hat sie mir also weggenommen und ich habe nichts Falsches gemacht, auf Grund dessen sie mich verlassen hat. Es war einfach der natürliche Lauf der Dinge, der zu dieser Veränderung im Leben führte. Dies zu verstehen wäre schon mal ein guter Schritt, auf den ich aber kurioserweise erst von einer aussenstehenden, dritten Person gebracht werden musste. Weiter machte sie mir deutlich, dass ich ein egoistisches, arrogantes, selbstverliebtes Arschloch bin, das immer im Mittelpunkt stehen will. Natürlich benutzte sie dazu aber einen Fachausdruck und nicht diese Formulierung. Sie nannte mir auch ein paar weitere Schlagworte, zu denen ich selbst mal recherchieren sollte, inwieweit sie auf mich zutreffend wären und ob ich mich und mein Verhalten dabei wiedererkennen würde. Und in der Tat fand ich auf diesem Weg durch meine Lektüre anderer Blogs und Foren einiges über mich heraus. Mir ist jetzt klar, dass ich schon seit langer Zeit an Verlustängsten leide und Dominique irgendwie der Auslöser war, der mich mit diesen heftig konfrontierte. Woran das liegt, konnten aber weder Stephanie, die mich mittlerweile auch gut zehn Jahre kennt, noch ich so spontan herausfinden. Auch Stephanie ist übrigens mal zum Studium weggezogen in ein anderes Bundesland, was damals auch blöd für uns beide war, aber es  kommt mir rückblickend bei weitem nicht so tragisch und schmerzhaft vor wie der Verlust von meiner Dominique. Oh, da ist das Wort ja wieder, und der Satz klingt tatsächlich ein kleines bisschen besitzergreifend, findet ihr nicht? Abgesehen davon glaube ich aber, dass mir der Weggang Dominiques trotz allem etwas Gutes gebracht hat, nämlich, dass ich sehr viel über mich selbst gelernt und Neues von mir erfahren habe. Zuvor dachte ich stets, ich sei ein gefühlskalter Mensch, der so abgestumpft ist von der kalten Welt, dass ihm nichts wirklich nahe geht. Dominique hat mir im übertragenen Sinne aber gezeigt, dass dem doch nicht so ist und ich wirklich Emotionen und Gefühle habe, und einer kleinen blonden Arbeitskollegin habe ich es zu verdanken, dass ich das in dieser Form erfahren durfte und mir dieser ganz neuen Seite meiner Person bewusst wurde. Ach ja, die Sitzung fand übrigens nicht wirklich auf einer Couch statt, sondern mit Dr. Stephanie in einer Eisdiele und ich habe natürlich gezahlt! Es fühlte sich nur ein bisschen komisch an, als sie am Ende des Nachmittags in den Bus stieg und zurück in ihren Wohnort gefahren ist. Was mag das bedeuten? Ich werde wohl Dominique mal danach fragen müssen…      

30.9.14 19:56


Stadt, Land, Fluss

Es heisst, es sind die Menschen, die einen Ort prägen, die unser Bild von einer Stadt bestimmen, die dafür verantwortlich sind, wie wir etwas wahrnehmen. Das trifft natürlich ganz besonders auf Dominique und die gemeinsame Zeit in unserem Büro und an unserer Firma zu. Wenn ich daran zurück denke fällt mir zuerst ein, wie sie dazu beigetragen hat, die kalten, leeren, tristen Büroräume in ein gemütliches Heim zu verhandeln und zu einem Ort zu machen, an dem man sich wohl fühlt, an dem man geborgen ist, an dem man gerne Zeit verbringt. Schon kurz nach der Zuteilung von uns zweien in ein gemeinsames Büro nahm sich Dominique einer innenarchitektonischen Verbesserung der Örtlichkeiten an, indem sie vorschlug, neue, moderne Büromöbel anzuschaffen, und alles viel wohnlicher und praktischer einzurichten. Nun stehe ich ja Veränderungen grundsätzlich misstrauisch gegenüber, weil der Vorschlag aber von Dominique kam, dachte ich ernsthaft darüber nach und kam zu dem Ergebnis, dass sie absolut Recht hatte. Ihr Argument, die neue Raumaufteilung würde dazu beitragen, dass wir uns wesentlich besser unterhalten könnten, war letztendlich der ausschlaggebende Faktor, vom Chef unserer Abteilung neue Möbel nach unseren Vorstellungen und Wünschen anschaffen zu lassen. Gesagt getan, die neue Büroausstattung wurde bestellt und kurze Zeit später geliefert. Es gab auch keinerlei Unstimmigkeiten darüber, wer welchen Schreibtisch bekommen würde. Da waren sie und ich uns rasch einig. Durch die neuen Möbel wurde so aus einem beliebigen Zimmer binnen kurzer Zeit "unser" Büro, das wir mit Leben füllten und durch unsere Harmonie und Dynamik in einen ganz besonderen Ort voller Freude und Fröhlichkeit verwandelten. Deswegen war es nach Dominiques Wegzug ein sehr merkwürdiges Gefühl, diesen Raum wieder zu betreten. Denn es sah darin zwar natürlich noch genauso aus wie zuvor, aber es fühlte sich plötzlich ganz anders an: fremd, kalt, ungemütlich. Das lag nicht etwa daran, dass Dominique ihre persönlichen Sachen mitgenommen hat und von einer anderen Mitarbeiterin ersetzt wurde, sondern es hatte vielmehr damit zu tun, dass das Wesen einer Person, ein Gefühl, eine gewohnte Atmosphäre plötzlich fehlte, die diesen Raum ausgemacht hat und ihm seine Besonderheit verlieh. Es ist daher nicht ganz richtig, von Dominiques Schreibtisch weiterhin als ihrem Schreibtisch zu reden, denn es ist nun nur noch irgendein Schreibtisch, den sie lange Zeit durch ihre Anwesenheit geprägt hat. Nur durch Dominique wurde unser Büro wirklich zu unserem Büro.    

31.8.14 17:22


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